Schöninger Speere

Als Schöninger Speere werden acht hölzerne Wurfspeere aus der Altsteinzeit bezeichnet, die zwischen 1994 und 1998 im Braunkohletagebau Schöningen, Landkreis Helmstedt, unter der Leitung des Archäologen Hartmut Thieme vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) gefunden wurden. Das Alter wurde zunächst mit rund 400.000 Jahren angegeben, andere Datierungsansätze gehen hingegen von etwa 270.000 Jahren aus. Die Speere sind somit die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt und ein wichtiger Beleg für die aktive Jagd des Homo heidelbergensis. Die Funde haben das Bild der kulturellen Entwicklung des frühen Menschen nachhaltig verändert.

Die Fundstelle der Speere (Schöningen 13/II Verlandungsfolge 4) ist eine von dreizehn altsteinzeitlichen Fundplätzen im Braunkohlentagebau Schöningen Süd des Helmstedter Braunkohlereviers, die im Zuge der Prospektion der quartären Deckschichten von 1992 bis 2009 ausgegraben wurden. Der durch die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG vom Kohleabbau ausgenommene, rund 3900 m² große Grabungssockel repräsentiert einen kleinen Ausschnitt einer ehemaligen Uferzone, die über Jahrtausende – zwischen Elster- und Saaleeiszeit – von Menschen und Tieren aufgesucht wurde. Der Sockel weist fünf mächtige Schichtpakete (Verlandungszonen) auf, die durch schwankende Wasserstände des Sees und Verlandungsprozesse entstanden sind.
Der schnellen, luftdichten Bedeckung der Fundschichten durch Mudden ist die außergewöhnlich gute Erhaltung der organischen Materialien zu verdanken. In der Abfolge der Verlandungszonen sind mit einer sehr hohen Auflösung Veränderungen des Klimas von einer warmtrockenen Phase mit lichten Laubwäldern zu einer Kältesteppe abzulesen. Die Speere selbst stammen aus dem sogenannten Speerhorizont als einer etwa 10 Meter breiten und 60 Meter langen Grabungsfläche parallel zum ehemaligen Seeufer in der Verlandungszone 4, der ausgehenden Holstein-Warmzeit. In ihr wurden neben den Speeren etwa 1500 Steinartefakte, eine Stoßlanze, ein Wurfholz und die Skelette von 25 Wildpferden sowie einzelne Knochen von Rindern, Hirschen, Nashörnern und Elefanten gefunden. Die darunter liegenden Fundschichten sind bislang nur partiell ausgegraben und seit 2010 Ziel einer Forschungsgrabung.
Zusammen mit den Speeren wurden einige wenige Steingeräte und rund 12.000 Tierknochen gefunden, darunter 90 Prozent vom Pferd, gefolgt von Rothirsch und Wisent. Die Pferdeknochen stammen von Equus mosbachensis und lassen auf mindestens 20 Individuen schließen. Sie weisen zahlreiche Schnittspuren von Steingeräten, aber nur geringe Spuren von Tierfraß auf. Die Fundsituation interpretiert der Ausgräber Hartmut Thieme als die Zeugnisse eines Jagdereignisses sowie der daran anschließenden Zerlegung und Aufbereitung der Beute. Seinen Hypothesen zufolge gab das dichte Schilf am Seeufer den Jägern Deckung, aus der die Pferde, eingekeilt zwischen Jägern und See, mit gezielten Speerwürfen erlegt wurden. Da sich unter den Pferdeknochen auch Reste von Jungtieren befinden, schließt er auf eine Jagd im Herbst. Weiter sieht er in den zwischen den Überresten der Jagdbeute zurückgelassenen Speeren Hinweise auf eine rituelle Handlung.
Die aufgrund des auflastenden Sedimentdrucks deformierten Speere sind mit einer Ausnahme – Speer IV ist aus Kiefernholz gefertigt – aus schlanken, geraden Fichtenstämmchen gearbeitet und besitzen Abmessungen zwischen 1,80 m und 2,50 m. Sie sind sehr sorgfältig bearbeitet und zeugen von hohem technologischen Können und einer handwerklichen Tradition. Wie bei heutigen Wettkampfspeeren liegt der größte Durchmesser und damit der Schwerpunkt im vorderen Drittel des Schaftes. Die Spitzenpartien sind symmetrisch aus der Basis der Stämmchen gearbeitet, wobei die Spitzenenden gezielt seitlich neben dem zentralen Mark, dem schwächsten Teil des Stammes, ausgebildet wurden.
In ihren Wurfeigenschaften sind die Schöninger Holzspeere modernen Wettkampfspeeren ebenbürtig. Bei Tests konnten Sportler originalgetreue Nachbauten bis zu 70 Meter weit werfen. Die Wahl von Nadelhölzern für die Herstellung ist vor allem klimatisch bedingt, da deren lokales Vorkommen im kühleren Klima am Ende des Interglazials nachgewiesen ist.
Aus der Fundstelle des Wildpferdjagdlagers stammen weitere einzigartige Holzartefakte: ein angekohlter Holzstab („Bratspieß“) sowie ein als Wurfholz interpretiertes, zweiseitig zugespitztes Holzgerät. Die Steingeräte des Fundplatzes setzen sich aus verschiedenen Schaber- und Spitzenformen zusammen. Belege für eine Grundformproduktion fehlen; zahlreiche Retuschierabfälle belegen das Nacharbeiten der mitgebrachten Steingeräte.
Sensationell sind weiter die auf der Fundstelle 12 geborgenen sogenannten Klemmschäfte. Aus den äußerst harten Astansätzen der Weißtanne gefertigt und an einem Ende deutlich eingeschnitten, dienten sie möglicherweise als Schäftung für Steinklingen. Ist die Interpretation korrekt, handelt es sich hierbei um die ältesten Kompositwerkzeuge der Menschheit.
Dank der guten Erhaltungsbedingungen liegen von allen Fundstellen zahlreiche Funde von Kleintieren, darunter Kleinsäuger, Fische, Weichtiere und Insekten vor. Zusammen mit den karpologischen Resten erlauben sie ungewöhnlich detailreiche Rekonstruktionen von Klima und Umwelt während des Ablaufs einer Warmzeit.
2012 und 2013 wurde am Rande des Tagebaus zunächst durch eine Sondage und später durch eine Flächengrabung ein neues Grabungsareal unter der Bezeichnung Speerhorizont Süd erschlossen. Damit ließ sich am ehemaligen Seeufer die Fortsetzung des Pferdejagdlagers nachweisen, das bereits am etwa 80 Meter nördlich gelegenen Fundort der Schöninger Speere untersucht worden war. An der neuen Fundstelle wurden in der rund 300.000 Jahre alten Bodenschicht der Speere bis 2014 über 400 Knochen von Großtieren und 20 Steinartefakte gefunden. Darunter waren Knochenreste und Zähne einer Säbelzahnkatze. Der Fund des Raubtieres führte zur Frage, ob die Speere Menschen nicht nur als Beutewaffen, sondern auch der Verteidigung dienten.
Im August 2015 entdeckten Archäologen eine Rippe sowie einen etwa zwei Meter langen Stoßzahn eines Waldelefanten und unternahmen eine Blockbergung. Die Knochen befanden sich in Muddeschichten eines ehemaligen Sees, die etwa 5000 bis 10.000 Jahre älter sind als die der Schöninger Speere. Paläontologen stellten an den Knochen Schnittspuren fest, die sie Feuersteinklingen von Frühmenschen zuordnen. Weitere Untersuchungen sollen ergeben, ob das Tier von Menschen erlegt worden ist.
Die Speere und der Fundplatz Schöningen haben das Bild der kulturellen und sozialen Entwicklung des frühen Menschen revolutioniert. So konnte die ehemals weit verbreitete Forschungsmeinung widerlegt werden, nach welcher der Homo heidelbergensis (ein naher Verwandter des Homo erectus) und sogar noch der sehr viel jüngere Neandertaler primitive, sprachlose Wesen gewesen seien, die sich von Pflanzen und Aas ernährten. Denn die Speere und ihr Fundzusammenhang zeugen von hohen technologischen Fähigkeiten und liefern den ersten eindeutigen Beleg für eine aktive (Großwild-)Jagd. Eine erfolgreiche Jagd auf schnell fliehende Herdentiere ist ohne ausgefeilte Jagdstrategien, ein komplexes Sozialgefüge und entwickelte Formen der Kommunikation nicht denkbar. Schon Homo heidelbergensis verfügte damit möglicherweise über intellektuelle und kognitive Fähigkeiten wie das vorausschauende, planende Denken und Handeln, die zuvor erst dem modernen Menschen (Homo sapiens) zugeschrieben wurden.
Holzartefakte aus der Altsteinzeit sind äußerst selten überliefert. Neben Schöningen sind Funde aus Clacton-on-Sea (Südengland), Torralba (Spanien), Ambrona (Spanien), und Bad Cannstatt (Baden-Württemberg) bekannt, wobei nur das als Lanzenbruchstück interpretierte Holz von Clacton-on-Sea noch erhalten ist. Die kalzifizierten Hölzer vom Fundplatz Bilzingsleben sind in ihrem Artefaktcharakter umstritten. Die ebenfalls aus Niedersachsen stammende hölzerne Stoßlanze aus Lehringen dagegen ist mit einem Alter von rund 125.000 Jahren sehr viel jünger. Mit ihr wurde wahrscheinlich ein Waldelefant, unter dessen Skelett sie gefunden wurde, erlegt.
2012 berichtete ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift Science, dass Funde aus Südafrika darauf hindeuten, dass Individuen der Gattung Homo möglicherweise bereits vor 500.000 Jahren Großwild mit aufwändig hergestellten Speeren jagten. Dies soll mittels geschärfter Steinspitzen an Holzschäften erfolgt sein. Paläoanthropologen der University of Toronto hatten rund 200 Spitzen aus eisenhaltigem Gestein untersucht, die aus einer etwa 500.000 Jahre alten Erdschicht nahe Kathu in Südafrika stammten. Mehrere Indizien sprechen dafür, dass sie als Speerspitzen gedient haben könnten.
Die Ausgrabungen auf dem Grabungssockel werden seit 2010 im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Hannover und der Eberhard Karls Universität Tübingen, Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, fortgesetzt. An der Aufarbeitung und den Auswertungen der Grabungen sind zahlreiche Kooperationspartner aus dem In- und Ausland beteiligt, darunter die Rijksuniversiteit Leiden (Paläontologie), die Universität Leuphana (Palynologie), das Senckenberg Forschungsinstitut und das Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt am Main, die Leibniz Universität Hannover (Geologie), das Labor für quartäre Hölzer Langnau (Holzanatomie) sowie das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz.
2009 stellte das Land Niedersachsen aus dem Aufstockungsetat zum Konjunkturpaket II Fördermittel für den Aufbau eines Forschungs- und Erlebniszentrums zur Verfügung. Das unweit der Fundstelle der Speere gelegene Zentrum widmet sich der interdisziplinären Erforschung der Schöninger Fundstellen sowie der pleistozänen Archäologie und präsentiert in einer erlebnisorientierten Ausstellung die originalen Funde. Der transparente Forschungs- und Laborbereich sowie ein interaktives Besucherlabor verknüpfen die Bereiche Forschung und Museum. Landschaftsbiotope, darunter eine Weide mit Wildpferden, veranschaulichen auf dem 34 Hektar großen Außengelände typische Pflanzengesellschaften der Warmzeit. Das Zentrum ist als Außerschulischer Lernort anerkannt. Bauherr war die Stadt Schöningen. Mit der Konzeption und inhaltlichen Planung des Projekts war das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege betraut. Nach einer Namensfestlegung im April 2012 auf paläon erfolgte die Eröffnung am 24. Juni 2013.
52.13352810.989252Koordinaten: 52° 8′ 1″ N, 10° 59′ 21″ O

Grossaffoltern

CH SBE (Suberg)

Grossaffoltern ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Seeland im Kanton Bern, Schweiz. Die Gemeinde wurde bis 1860 offiziell Affoltern genannt.
Neben der Einwohnergemeinde existiert unter diesem Namen auch eine Burgergemeinde.

Grossaffoltern liegt in der Nähe von Lyss im bernischen Seeland und hat knapp 3000 Einwohner (Stand 2010).
Zu Grossaffoltern gehören die Ortschaften und Weiler:
sowie mehrere Einzelhöfe und Hofgruppen.
Die Nachbargemeinden sind Seedorf BE, Lyss, Diessbach bei Büren, Wengi, Rapperswil BE und Schüpfen.
Funde von Stein- bzw. Bronzebeilen stammen aus dem Ende der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit. Mehrere Grabhügel ausserhalb der heutigen Ortschaften belegen eine Besiedlung durch die Kelten im 7. Jahrhundert v. Chr. Ebenso ist die Anwesenheit der Römer zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert n. Chr. durch archäologische Funde belegt. Ein Reihengräberfeld in Kosthofen stammt aus der Zeit der Völkerwanderung (5. und 6. Jahrhundert n. Chr.).
Die urkundliche Erwähnung eines Petrus, Meier zu Affoltern, im Jahre 1216 ist das älteste erhaltene Dokument über Grossaffoltern. Damals gehörte der Ort den Grafen von Kyburg, in deren Urbar aus der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts (1261–1263) die Einkünfte von Affolterra oder Affoltron aufgelistet werden. 1402 verkaufte Gräfin Anna von Nidau, die Witwe des Grafen Hartmann von Kyburg, Burg und Herrschaft Oltingen, zu der auch Affolterra gehörte, an den Berner Bürger Hugo Burkart von Mömpelgart. Von dessen Witwe wurde die Grafschaft an den Grafen Conrad von Freiburg verkauft und ging hernach in den Besitz der Stadt Bern.
1383 vergabte die Gräfin Anna von Nidau den Kirchensatz an das Frauenkloster Klingenthal in Kleinbasel, welches ihn 1416 an die Abtei Frienisberg abtrat. Mit der Reformation kam Frienisberg samt Kirchensatz und Zehnten von Affoltern an Bern, dessen Rat nun die Pfarrei besetzte, die zum Kapitel Büren gehörte. Im Jahre 1413 befreite die bernische Regierung Affoltern für 330 Gulden von der Leibeigenschaft.
Seit 1413 gehört Grossaffoltern zur Landvogtei Aarberg.
Der Name (Gross-)Affoltern ist vom althochdeutschen apholtra/apfultra oder affalterun abgeleitet, was heisst bei den Apfelbäumen und sich aus afal oder aful (Apfel) und tra (Baum – gotisch triu, englisch tree) zusammensetzt . 1216 wird der Ort als Affoltron erstmals urkundlich erwähnt.
Die Wähleranteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2011 betrugen: SVP 32.7 %, BDP 21.2 %, SP 17.9 %, FDP 8.0 %, GPS 7.3 %, glp 4.2 %, EVP 2.8 %, CVP 2.1 %, EDU 0.7 %.
Der grösste Arbeitgeber ist die Düngemittelfabrik Hauert.
Die Gemeinde ist bekannt wegen ihrer Storchenkolonie. Das Naturschutzgebiet Längmoos weist eine grosse Artenvielfalt auf (Libellen, Insekten, Amphibien, Vögel, Pflanzen).
Stephanie und Ruedi Baumann waren das erste Nationalrats-Ehepaar der Schweiz.
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Ehemalige Gemeinden: Bangerten | Busswil bei Büren | Gäserz | Mullen | Niederried bei Kallnach | Reiben | Ruppoldsried
Kanton Bern | Verwaltungskreise des Kantons Bern | Gemeinden des Kantons Bern

Trecase

Trecase ist eine Gemeinde mit 9134 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in der Metropolitanstadt Neapel, Region Kampanien.
Die Nachbarorte von Trecase sind Boscotrecase, Ercolano, Ottaviano, Torre Annunziata und Torre del Greco.
Trecase zählt 3135 Privathaushalte. Zwischen 1991 und 2001 fiel die Einwohnerzahl von 9595 auf 9179. Dies entspricht einem prozentualer Abnahme von 4,3 %.
Acerra | Afragola | Agerola | Anacapri | Arzano | Bacoli | Barano d’Ischia | Boscoreale | Boscotrecase | Brusciano | Caivano | Calvizzano | Camposano | Capri | Carbonara di Nola | Cardito | Casalnuovo di Napoli | Casamarciano | Casamicciola Terme | Casandrino | Casavatore | Casola di Napoli | Casoria | Castellammare di Stabia | Castello di Cisterna | Cercola | Cicciano | Cimitile | Comiziano | Crispano | Ercolano | Forio | Frattamaggiore | Frattaminore | Giugliano in Campania | Gragnano | Grumo Nevano | Ischia | Lacco Ameno | Lettere | Liveri | Marano di Napoli | Mariglianella | Marigliano | Massa Lubrense | Massa di Somma | Melito di Napoli | Meta | Monte di Procida | Mugnano di Napoli | Neapel | Nola | Ottaviano | Palma Campania | Piano di Sorrento | Pimonte | Poggiomarino | Pollena Trocchia | Pomigliano d’Arco | Pompei | Portici | Pozzuoli | Procida | Qualiano | Quarto | Roccarainola | San Gennaro Vesuviano | San Giorgio a Cremano | San Giuseppe Vesuviano | San Paolo Bel Sito | San Sebastiano al Vesuvio | San Vitaliano | Sant’Agnello | Sant’Anastasia | Sant’Antimo | Sant’Antonio Abate | Santa Maria la Carità | Saviano | Scisciano | Serrara Fontana | Somma Vesuviana | Sorrent | Striano | Terzigno | Torre Annunziata | Torre del Greco | Trecase | Tufino | Vico Equense | Villaricca | Visciano | Volla

Bill Foulkes


William Anthony „Bill“ Foulkes (* 5. Januar 1932 in St Helens; † 25. November 2013) war ein englischer Fußballspieler und -trainer.

Foulkes wurde 1932 in St Helens in der Grafschaft Lancashire geboren. Sein Großvater war Kapitän der englischen Rugbynationalmannschaft. Die ersten Erfahrungen mit dem Fußball machte der Engländer beim Whiston Boys Club. In der Anfangszeit seiner Karriere arbeitete er in der Lea-Green-Kohlengrube.
Der Engländer wurde 1950 von Matt Busby zu Manchester United geholt. Seine bevorzugte Position war im Verlauf der Karriere die des Innenverteidigers bzw. des Vorstoppers. Er bestritt 679 Pflichtspiele für die Red Devils und ist damit noch heute hinter Ryan Giggs und Sir Bobby Charlton der Spieler mit den drittmeisten Einsätzen für den Verein. In den Spielzeiten 1957/58, 1959/60, 1963/64 und 1964/65 bestritt der Verteidiger alle Spiele in der Saison. Foulkes erzielte neun Pflichtspieltore in 18 Spielzeiten als Profi, gewann dabei vier Meisterschaften, einen FA Cup, sowie im Jahr 1968 einmal den Europapokal der Landesmeister. Trotzdem spielte er nur ein Mal für die englische Fußballnationalmannschaft.
Foulkes wurde 1950 während eines Spiel für den Whiston Boys Club von Manchester United entdeckt. Er unterschrieb im März desselben Jahres 18-jährig seinen ersten Profivertrag und wurde im August 1951 in die erste Mannschaft befördert. Sein Pflichtspieldebüt gab er am 12. Dezember 1952 als rechter Außenverteidiger gegen den FC Liverpool. In dieser Zeit absolvierte er auch zwei Spiele für die englische U-23-Auswahl. Parallel arbeitete Foulkes weiterhin halbtags in der Kohlenmine, da er von seinen eigenen Qualitäten als Fußballprofi noch nicht überzeugt gewesen war. Das erste Tor für die „Red Devils“ schoss Foulkes am 2. Januar 1954 im St. James’ Park gegen Newcastle United. Am 2. Oktober 1954 spielte er gegen Nordirland (2:0) das erste und letzte Mal für die englische Nationalmannschaft. Nach der Einberufung ins Team gab der Verteidiger seine Arbeit in der Mine auf, um sich nun voll auf den Fußball zu konzentrieren. In der Saison 1955/56 gewann Foulkes seine erste englische Meisterschaft und knapp zwei Jahre später war Bill Foulkes Mitglied der United-Mannschaft, die am 6. Februar 1958 nach einem Europapokalspiel auf British-European-Airways-Flug 609 auf dem Flughafen München-Riem verunglückte. Während Mannschaftskameraden wie beispielsweise Duncan Edwards, Tommy Taylor und Roger Byrne verstarben, blieb Foulkes aber nahezu unverletzt und konnte seine Karriere unmittelbar fortsetzen.
Nach dem Flugzeugunglück wurde Foulkes Kapitän der Red Devils und dabei Nachfolger von Roger Byrne. Die dezimierte Mannschaft belegte anschließend nur den neunten Platz in der Meisterschaft und schied zudem im Landesmeisterpokal im Semifinale aus. In der Saison 1962/63 erreichte Manchester United nur den 19. Rang in der Liga, gewann dafür aber das FA-Cup-Finale gegen Leicester City. In der Saison 1964/65 errang Manchester United die erste englische Meisterschaft seit dem Flugzeugunglück.
Drei Jahre später errang Bill Foulkes international seinen größten Erfolg, nachdem Manchester United in der vorangegangenen Spielzeit ein weites Mal Meister geworden war. Bill Foulkes war neben Bobby Charlton der einzige Überlebende des Unglücks von München, der auch zehn Jahre später noch Teil der Mannschaft war. Im Halbfinale des europäischen Landesmeisterpokalwettbewerbs stand der Klub Real Madrid gegenüber und nach einem 1:0-Hinspielerfolg in Old Trafford, lag United zur Halbzeit des Rückspiels mit 1:3 hinten. Das Spiel endete schließlich 3:3 und Bill Foulkes besorgte in der 77. Minute selbst den Ausgleich zum Endstand. Im Endspiel wurde Benfica Lissabon nach zwei Toren von Bobby Charlton in der Verlängerung mit 4:1 besiegt.
Das letzte seiner 683 Pflichtspiele machte Foulkes am 16. August 1969 gegen den FC Southampton.
Unmittelbar nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn begann Foulkes seine Tätigkeit als Trainer. Von 1970 bis 1975 betreute er die Jugendspieler von Manchester United und arbeitete anschließend vorzugsweise im Ausland. Dazu zählten in den USA die Vereine Chicago Sting, Tulsa Roughnecks und San José Earthquakes, sowie in Norwegen die Klubs IL Bryn, Steinkjer FK, Lillestrøm SK und Viking Stavanger. Mit seinem letzten Engagement in Japan beim FC Mazda (heute: Sanfrecce Hiroshima) verließ er nach mehr als vierzig Jahren im Geschäft den Fußballsport.
Seit Juni 2000 führte Foulkes japanische Touristen durch das Old-Trafford-Stadion.

Adolph Nehrkorn

Adolph Nehrkorn (* 29. Dezember 1841 in Riddagshausen; † 8. April 1916 in Braunschweig) war ein deutscher Ornithologe und Oologe.

Nachdem Nehrkorn einige Jahre als Landwirt gearbeitet hatte, studierte er in Berlin Naturwissenschaften. 1866 wurde er als herzoglicher Amtsrat Pächter der Domäne Riddagshausen, die bereits sein Vater verwaltet hatte. In dem an Wasservögeln reichen Naturschutzgebiet Riddagshäuser Teiche war Nehrkorn schon als Kind von der Vogelbeobachtung fasziniert. Adolph Nehrkorns Kontakte zu Rudolf Blasius und Wilhelm Blasius führten ihn zu seinem Forschungsschwerpunkt, der Oologie. Durch Tausch, Kauf und eigene Reisen trug Nehrkorn die, nach Arten gemessen, weltweit größte Vogeleiersammlung des ausgehenden 19. Jahrhunderts zusammen. Sie umfasste 5843 Arten aus allen Teilen der Welt und übertraf die Vogeleiersammlung des British Museum um fast 1500 Arten. In späteren Jahren sammelte Nehrkorn Vogelbälge. Diese aus 5000 Stücken von ungefähr 4000 Arten bestehende Vogelsammlung befindet sich zusammen mit Eiern von 3500 Vogelarten im Naturhistorischen Museum Braunschweig. Eine Kollektion von 20.000 Vogeleiern, die Nehrkorn 1905 dem Berliner Museum vermachte, wurde während eines Bombenangriffs auf das Museum im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört. 1868 wurde Nehrkorn Mitglied der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft. Für das Ornithologische Centralblatt, die Ornithologischen Monatsberichte und das Journal für Ornithologie verfasste Nehrkorn mehrere oologische Artikel, darunter „Mittheilungen über Nester und Eier des Museum Godeffroy zu Hamburg“, der 1879 veröffentlicht wurde. 1899 und 1910 gab er einen Katalog über seine Eiersammlungen heraus.
Nehrkorn war Mitglied der Freimaurerloge Carl zur gekrönten Säule in Braunschweig.
Einige Vogeltaxa tragen Nehrkorns Namen im Artepitheton, darunter der Sangihe-Brillenvogel (Zosterops nehrkorni), der Nehrkorn-Mistelfresser (Dicaeum nehrkorni), Hyliota violacea nehrkorni (Unterart der Violettmantelhyliota), Parus semilarvatus nehrkorni (Unterart der Weißstirnmeise), Neolesbia nehrkorni (Hybride zwischen Himmelssylphe und Purpur-Kurzschnabelkolibri) und Coracina tenuirostris nehrkorni (Unterart des Mönchsraupenfängers).

Ottoherscheid

50.9781697.215932Koordinaten: 50° 58′ 41″ N, 7° 12′ 57″ O
Lage von Ottoherscheid in Bergisch Gladbach
Ottoherscheid ist ein Ortsteil im Stadtteil Bärbroich von Bergisch Gladbach.
Bei der Ortschaft Ottoherscheid handelt es sich um einen mittelalterlichen Siedlungsnamen, der im Urkataster als Otto Herscheid verzeichnet ist. Das Grundwort herscheid ist auch in die Siedlungsnamen Dresherscheid und Wüstenherscheid eingeflossen. Es lässt sich aus der früheren Form Haenscheid erschließen. Haen stellt eine Nebenform von „Hain/Hohn“ (in Flurnamen = eingehegter Wald) dar, während „scheid“ generell eine Grenze (auch bewaldete Erhöhung) bezeichnet. Demzufolge lässt sich herscheid als Waldgrenze bzw. Grenzwald deuten.
Laut der Uebersicht des Regierungs-Bezirks Cöln besaß der als „Bauergüter“ kategorisierte Ort 1845 vier Wohnhäuser. Zu dieser Zeit lebten 41 Einwohner im Ort, alle katholischen Glaubens.
Branderhof | Broich | Broichhausen | Dorn | Dreispringen | Dresherscheid | Hasselsheide | Herlen | Juckerberg | Kiel | Kotzfeld | Külheim | Oberselbach | Ottoherscheid | Scheurenhöfchen | Stockberg | Wildphal | Wohn | Wolfsiefen | Wüstenherscheid

Weiler ob der Fils

48.70619.5067340Koordinaten: 48° 42′ 22″ N, 9° 30′ 24″ O
Weiler ob der Fils ist ein Stadtteil von Ebersbach an der Fils im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg.

Der Stadtteil Weiler ob der Fils liegt auf einer Anhöhe (340 m NN) ungefähr 1,5 km südwestlich vom Stadtzentrum Ebersbachs. An Weiler grenzen die Ebersbacher Stadtteile Roßwälden im Süden und Sulpach im Osten sowie die Stadt Ebersbach im Nordosten an. Westlich befinden sich die Gemeinden Reichenbach an der Fils und Hochdorf.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) wurde die Bevölkerung Weilers auf etwa ein Zehntel dezimiert. Eine Ursache hierfür war auch die Abwanderung vieler Bürger in das nahe gelegene Kirchheim unter Teck.
Einwohnerentwicklung:
Im Jahr 1975 wurde eine Ortverfassung verabschiedet, mit der das Amt des Ortsvorstehers und ein Ortschaftsrat gegründet wurden. Außerdem wurde die unechte Teilortswahl eingeführt und Weiler ob der Fils bekam zwei Sitze im Gemeinderat von Ebersbach an Fils garantiert. Im Jahr 2009 wurde unter Beibehaltung der Ortsverfassung die unechte Teilortswahl abgeschafft.
Vor der Reformation erfolgte in Weiler der Gottesdienst durch einen Kaplan, der dem Sulpacher Pfarrer unterstand. Nach der ab 1534 in Württemberg eingeführten Reformation wurde Weiler nach Roßwälden eingepfarrt. Der Roßwälder Geistliche hielt in Weiler alle zwei Wochen Gottesdienste ab. Die Pfarrei in Roßwälden war den Klosterfrauen von Kirchheim unter Teck unterstellt. Im Jahr 1603 wird die neue evangelische Kirche an gleicher Stelle wie die dem Heiligen Blasius geweihte Wallfahrtskapelle errichtet und besteht bis heute.
Im Allgemeinen leitet man das Wort „Weiler“ vom lateinischen Wort „villare, villarium“ („Landgut, Hof“) ab. Politisch gesehen waren die Einwohner von Weiler ob der Fils seit dem späten Mittelalter württembergische Untertanen.
Die Erstbesiedlung fand vermutlich in der Zeit zwischen dem neunten und dem elften Jahrhundert statt. In einer um das Jahr 1250 verfassten Urkunde ist ein Weiler westlich von Göppingen beschrieben; es geht aber nicht eindeutig hervor, ob es sich um die Gemeinde Weiler ob der Fils oder um den Schorndorfer Stadtteil Weiler handelt. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung von Weiler ob der Fils stammt aus dem Jahr 1423. Der Ort kam teilweise als alter Besitz des Klosters Adelberg, teilweise über die Herrschaft Teck an Württemberg. Anno 1538 werden die Orte Sulpach, Roßwälden und Weiler unter dem „Roßwälder Stab“ zusammengefasst, der bis 1938 zum Oberamt Kirchheim zählt. Seit 1819 ist die Weilermer Bürgerschaft bestrebt sich vom Roßwälder Stab zu trennen. Weiler verlässt 1905 den Roßwälder Stab und wird zur selbstständigen Gemeinde. Ab 1931 ziert der weiße Bär im roten Schild (Siegel des ausgestorbenen Adelsgeschlechts der Reußensteiner) das Dienstsiegel der Gemeinde Weiler. 1938 wird Weiler dem Landkreis Göppingen zugeordnet. Am 1. Januar 1975 erfolgt die Eingemeindung nach Ebersbach.
Weiler erhält 1718 erstmals ein eigenes Schulzimmer. In den Jahren von 1963 bis 1965 entsteht ein neues Schulhaus mit Kindergarten, Gymnastikhalle und Hartsportplatz. Zwischen 1976 und 2000 kommt es vor allem im Bereich der Sportanlagen zu umfangreichen baulichen Neugestaltungen und Erweiterungen. 1984 wird der Rasensportplatz mit Weitsprung- und Kugelstoßanlage eingeweiht. Im Jahr 2003 wird das Bürgerhaus fertiggestellt.
Von 1907 bis 1921 wird die Wasserversorgung durch Quellfassungen gesichert sowie der Anschluss an das Telefonnetz und die öffentliche Stromversorgung hergestellt. Seit 1970 erfolgt die Wasserversorgung durch den neu errichteten Wasserturm zwischen Weiler und Sulpach.
Im ortsneckerischen Sprachgebrauch werden die Weilermer auch „Plätz“ (Flacher Kuchen aus Brotteig, mit Obst belegt) oder „Katza“ (Katzen) genannt.
Die beiden größten Vereine von Weiler sind der Sportclub SC Weiler 1947 und der Gesangsverein Eintracht Weiler. Außerdem gibt es in Weiler eine Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Ebersbach.
Der Städtische Kindergarten und die Grundschule sind in einem Gebäude in der Nähe des Ortskerns untergebracht. Der Musikschulunterricht findet im benachbarten Bürgerhaus statt. Die weiterführenden Schulen und Bildungseinrichtungen wie Haupt-, Förder-, Realschule und Gymnasium befinden sich in der Kernstadt Ebersbach.

Puriel

Puriel (auch Pyriel, Puruel, Pusiel, Pyruel oder Purel) ist ein Engel, der nur im apokryphen Testament Abrahams als Erzengel vorkommt, wo er als unbarmherzig und feurig beschrieben wird. Zusammen mit Dokiel ist er einer der beiden Engel, die die Seelen der in den Himmel Gekommenen prüfen.

„The fiery and pitiless angel, holding the fire in his hand, is the archangel Puruel, who has power over fire, and tries the works of men through fire, and if the fire consume the work of any man, the angel of judgment immediately seizes him, and carries him away to the place of sinners, a most bitter place of punishment.“
„Der feurige und erbarmungslose Engel, das Feuer in der Hand haltend, ist der Erzengel Puruel, der die Macht über das Feuer innehat und die Werke der Menschen mit Feuer prüft, und wenn das Feuer die Arbeit eines Mannes zunichtemacht, erblickt ihn der Engel der Gerichtsbarkeit und trägt ihn hinfort zum Platz der Sünder, dem bittersten Ort der Bestrafung.“
Der Name Puriel wird entweder als Mischform aus griechisch πῦρ (pyr) = Feuer und hebräisch אל (el) = Gott gedeutet, oder alternativ – bezüglich des ersten Namensteiles – von פרענות (Pur’anut) = Unglück, Katastrophe. Bekannt wurde er vor allem durch den Film God’s Army 3 mit Christopher Walken in der Hauptrolle, wo Puriel – hier alternativ Pyriel geschrieben – als der Engel des Genozids bezeichnet wird, der die Menschen auslöschen wird und so von den abtrünnigen Engeln als deren Messias gesehen wird.

Kreuznacher Straßen- und Vorortbahnen

Die Kreuznacher Straßen- und Vorortbahnen verbanden die Stadt Bad Kreuznach mit der Nachbarstadt Bad Münster am Stein, mit Langenlonsheim, mit dem nahe Sprendlingen gelegenen St. Johann in Rheinhessen sowie mit weiteren Gemeinden in der Umgebung. Sie waren elektrisch betrieben und nicht identisch mit den nicht elektrifizierten Kreuznacher Kleinbahnen.

Die Stadt Kreuznach im Land Rheinland-Pfalz, die sich seit 1924 offiziell „Bad“ nennen darf, war bereits im Laufe des 19. Jahrhunderts ein weit bekannter Kurort geworden und zählte um 1910 rund 24.000 Einwohner. Sie gehörte damals zur preußischen Rheinprovinz und war Kreishauptstadt. Auch wenn Kreuznach in den Jahren 1858 bis 1871 zu einem Knotenpunkt bedeutender Eisenbahnstrecken geworden war, blieben doch noch Lücken in der Erschließung des Umlandes. Diesem Mangel half der Kreis Kreuznach 1896 durch den Bau der Kreuznacher Kleinbahnen mit zwei Schmalspurstrecken in den Hunsrück teilweise ab.
Zehn Jahre später gründete die Stadt Kreuznach einen Straßenbahnbetrieb, um das dicht besiedelte Nahetal parallel zur Staatsbahn noch besser anzubinden, aber auch um eine Querverbindung in den östlich angrenzenden hessischen Landkreis Alzey zu schaffen. Die Eisenbahnbau-Gesellschaft Becker & Co GmbH in Berlin baute die eingleisigen Strecken in Meterspur; ebenso errichtete sie das Elektrizitätswerk. Ihr verpachtete die Stadt den Betrieb für zwanzig Jahre.
Am 24. Januar 1924 ging die Straßenbahn an die Rhein-Nahe Kraftversorgungs-AG über. Zwei Jahre später kam sie am 11. März 1926 zur Städtischen Betriebs- und Verkehrsgesellschaft Bad Kreuznach GmbH, wo sie bis zur Einstellung des Straßenbahnbetriebs verblieb.
Am 11. September 1906 wurde die erste 4,3 Kilometer lange Strecke von Kreuznach nach dem Nachbarort Bad Münster am Stein eröffnet, welcher schon seit Anfang des Jahrhunderts den Titel „Bad“ trug. Die Strecke führte vom Bahnhof durch die Altstadt in südlicher Richtung durch das Badeviertel zur Saline Karlshalle, wechselte dort auf das linke Ufer der Nahe und erreichte über Theodorshalle den Nordteil des damals nur 1.000 Einwohner zählenden Städtchens Bad Münster. Vor dessen durchaus bedeutendem Staatsbahnhof, in welchem auch Fernzüge hielten, war die Endstation angelegt worden.
Ab dem 28. Oktober 1906 wurde in Kreuznach außerdem eine Stadtlinie befahren, die in der Altstadt von der Stammstrecke abzweigte, die Nahe überquerte und dann nach Norden zum Stadthaus am Holzmarkt in der Neustadt abbog. Hier konnte man auch in die Kleinbahnzüge Richtung Hunsrück umsteigen. Der Betriebshof mit dem E-Werk lag östlich des Staatsbahnhofs an der Bosenheimer Straße.
Die zweite Stadtgrenzen-überschreitende Straßenbahnstrecke wurde am 7. Juli 1911 in Betrieb genommen. Sie benutzte die Gleise der Linie zum Holzmarkt und folgte dann der Nahe auf dem linken Ufer am Stadtbahnhof vorbei über Bretzenheim bis nach Langenlonsheim (7,9 km). In ihr ging ab 1. Oktober 1912 die Stadtlinie Bahnhof–Holzmarkt auf.
Die dritte Überlandbahn war kleinbahnartig angelegt; sie führte vom Bahnhof in östlicher Richtung am Depot und dem Sepdelenwerk vorbei aus der Stadt hinaus, überquerte die Landesgrenze nach Hessen und gelangte nach Sprendlingen im Kreis Alzey, wo die Bahnlinie Bingen–Alzey gekreuzt wurde. Vorher hatte sie bei Badenheim schon die zur Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft gehörende Nebenbahn Sprendlingen–Fürfeld überquert. Von Sprendlingen wurde bald der Endpunkt St. Johann erreicht, 15,8 Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt. Die Eröffnung bis Badenheim (9,8 km) fand am 6. November 1912 statt, bis St. Johann am 21. Dezember 1912. Seitdem wurden alle Strecken auch im Güterverkehr bedient.
Von dem nun 27,6 Kilometer umfassenden Streckennetz lagen 15,6 km in Preußen und 12,0 km in Hessen. Nach der Einstellung der Linie 2 nach Langenlonsheim war es 1939 noch 21,4 km lang; über die Hälfte lag in Hessen.
Seit 1912 war der Ausgangspunkt der drei Straßenbahnlinien am Bismarckplatz (heute: Kornmarkt)
Die Linie nach Bad Münster verkehrte in der Regel alle 30 Minuten und bei größerem Bedarf alle 15 Minuten. Auf den anderen Linien wurde etwa 15- bis 20-mal am Tag, jedoch unstarr gefahren. Die Fahrpläne der Kreuznacher Straßenbahn waren zeitweise auch in den Eisenbahn-Kursbüchern enthalten.
Der Fahrzeugpark umfasste 1914 zwei elektrische Lokomotiven, zwölf Triebwagen, neun Bei-, fünf Güter- und fünf Spezialwagen; 1939 war er verkleinert worden: nur eine elektrische Lokomotive, zehn Triebwagen, acht Bei-, zwei Pack- und drei Güterwagen sowie vier Rollböcke und drei Spezialwagen genügten nun dem Bedarf.
(Deutsches Kursbuch 1934: 257, a, b)
Linie 1 (alle 30 Minuten)
Linie 2 (6-8 Fahrten)
Linie 3 (9 Fahrten)
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, am 1. Dezember 1938, wurde der Betrieb auf der Linie nach Langenlonsheim ab Pfingstwiese eingestellt, zumal sie weitgehend zur Reichsbahn parallel lief. Das übrige Netz wurde auch während des Krieges weiter befahren. Nach Luftangriffen und Brückensprengungen in den Jahren 1944/45 kam es zu Einschränkungen und zu einem Stillstand von Mai bis Dezember 1945.
Im Jahr 1946 verkehrten unter neuen Nummern die
Die Linie 1 konnte nach Wiederherstellung der Salinenbrücke ab 1948 wieder von der Karlshalle bis zur Haltestelle Raugrafenstraße am südlichen Ortsende von Bad Kreuznach verlängert werden. Das nur 1 km lange Reststück bis Bad Münster wurde zunächst nicht wieder hergerichtet, da die Gemeinde Bad Münster zwischen ihrem nördlichen Ortsende und dem Felsentor eine neue Straßenführung plante. Bei diesem Zustand blieb es bis zur Stilllegung des gesamten Schienennetzes.
Wie in vielen anderen deutschen Städten wurden die veralteten Straßenbahnwagen auch in Bad Kreuznach mehr und mehr als Verkehrshindernis betrachtet; außerdem fehlten die Gelder zur gründlichen Modernisierung. So hielt man den Schienenverkehr für überflüssig.
Außerdem war ab 17. Juli 1925 ein umfangreiches Omnibusnetz aufgebaut worden, das über den Einzugsbereich der Straßenbahn hinausging. 1939 waren je zwei Stadt- und Vorortlinien in Betrieb mit einer Gesamtlänge von 45 Kilometern auf denen acht Omnibusse und ein Anhänger eingesetzt wurden. Sie führten von Bad Kreuznach u. a. nach Fürfeld – Wonsheim und nach Stromberg. Die Gesamtlinienlänge war 1958 = 186,4 km.
Der Straßenbahnbetrieb wurde somit am 5. Januar 1953 eingestellt.

Andrei Sokolov

Andrei Sokolov (ursprünglich russisch Андрей Юрьевич Соколов/ Andrei Jurjewitsch Sokolow, wiss. Transliteration Andrej Jur’evič Sokolov; * 20. März 1963 in Workuta) ist ein französischer Schachmeister russischer Herkunft.

Schach erlernte Sokolov als Sechsjähriger von seinem Vater. Er trat als Zwölfjähriger einer Moskauer Schachschule bei und erhielt Wladimir Jurkow als ersten Trainer. 1981 gewann er die Meisterschaft von Moskau, 1982 in Kopenhagen die Juniorenweltmeisterschaft. Im gleichen Jahr verlieh ihm die FIDE den Titel Internationaler Meister. 1984 gewann Sokolov die UdSSR-Meisterschaft in Lwiw und wurde Großmeister.
Beim sowjetischen Zonenturnier in Riga 1985 teilte Sokolow den 4.–6. Platz und qualifizierte sich für das Interzonenturnier, das im gleichen Jahr in Biel stattfand. Sein dritter Platz bedeutete die Qualifikation zum Kandidatenturnier in Montpellier 1985, das für Sokolov erneut ein großer Erfolg wurde: er teilte sich mit Rafael Vaganian und Artur Jussupow Platz Eins und gelangte somit in das Halbfinale der Kandidatenkämpfe. Vaganian war in Minsk 1986 der erste Gegner, den Sokolov mit 6-2 (+4, -0, =4) besiegte und ins Finale vorstieß, das 1986 in Riga ausgerichtet wurde. Sokolov siegte in einem dramatischen Endspurt mit 7,5-6,5 (+4, -3, =7) gegen seinen Landsmann Artur Jussupow. Jussupow führte zwar nach zehn Partien mit 6-4, doch gewann Sokolov die Partien 11 bis 13, während Jussupow bloß ein Remis in der letzten Partie gelang. Im Frühjahr 1987 musste Sokolov dann in Linares gegen Anatoli Karpow, der im Jahr zuvor seinen Weltmeisterschaftskampf gegen Garri Kasparow verloren hatte, zum Superfinale antreten. Sokolov unterlag deutlich mit 3,5-7,5 (+0, -4, =7), was die Qualifikation für Karpow zum WM-Kampf in Sevilla 1987 bedeutete.
Nach diesem kraftraubenden Anlauf zur Weltmeisterschaft gelang Sokolov kein weiterer großer Erfolg mehr. Seinen sportlichen Höhepunkt hatte er in den Jahren 1987/1988, als er den dritten Platz auf der Weltrangliste hinter Garri Kasparow und Anatoli Karpow einnahm. Bei den Kandidatenkämpfen 1988 in Saint John unterlag er dem Kanadier Kevin Spraggett bereits in der ersten Runde (nach Turnierpartien 3-3, nach Schnellschach 5,5-6,5). Ende der 1990er Jahre zog Sokolov nach Frankreich und beteiligte sich 2001 erstmals an der Französischen Meisterschaft, 2002 spielte er erstmals für seine neue Heimat an der Schacholympiade in Bled. Bei der Französischen Meisterschaft 2003 in Aix-les-Bains gelangte Sokolov zunächst gemeinsam mit Joël Lautier und Étienne Bacrot auf den geteilten 1.-3. Platz, wonach ein Stichkampf zu entscheiden hatte: Bacrot setzte sich durch, Sokolov wurde Dritter. Bei der Französischen Meisterschaft 2005 in Chartres wurde Sokolov Vize-Meister hinter Joël Lautier.
Im Februar 2015 liegt er auf Platz 19 der französischen Rangliste. Seine bisher höchste Elo-Zahl von 2645 hatte er im Januar 1987, er lag damals zusammen mit Artur Jussupow auf dem dritten Platz der Weltrangliste.
Als seine beste Partie kommentierte er in der Schachzeitschrift Europe Échecs (Nr. 589, Juni 2009, S. 29) den Schwarzsieg gegen Ara Minasian aus dem Open von Linares 1999:
1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. b3 Sc6 4. Lb2 d6 5. Lb5 Ld7 6. 0-0 Sf6 7. Te1 Le7 8. c3 0-0 9. Sa3 a6 10. Lf1 b5 11. Sc2 Db6 12. d4 d5 13. e5 Se4 14. Ld3 f5 15. exf6 Sxf6 16. Tb1 c4 17. Lf1 Dc7 18. Dc1 Se4 19. bxc4 bxc4 20. Se3? Sxf2 21. Kxf2 Dxh2 22. Ke2 Txf3! 23. Sg4 Taf8! 24. Sxh2 Sxd4+! 0-1
Sokolov nahm an vier Schacholympiaden teil. 1984 und 1986 gewann er mit der Sowjetunion, 2002 und 2006 trat er mit Frankreich an. Außerdem gewann er mit der Sowjetunion die Mannschaftsweltmeisterschaft 1985 und spielte mit Frankreich bei der Mannschaftseuropameisterschaft 2003. 1984 wurde er beim Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt an Brett 10 der sowjetischen Mannschaft nominiert und unterlag Eugenio Torre mit 1:2.
In den 1970er und 1980er Jahren spielte Sokolov für die Mannschaft von Trud, mit der er 1982 die sowjetische Vereinsmeisterschaft und 1984 den European Club Cup gewann. Später spielte er für Tigran Petrosjan Moskau, mit dem er an den European Club Cups 1990 und 1992 teilnahm. In Frankreich spielt Sokolov für Philidor Mulhouse, mit dem er auch am European Club Cup 1997 teilnahm. In der deutschen Schachbundesliga spielte Sokolov in der Saison 1998/99 für den SK Freiburg-Zähringen 1887 und von 2001 bis 2009 für den TV Tegernsee, mit dem er am European Club Cup 2005 teilnahm. In der Schweizer Nationalliga A spielte er bis 2012 für die Schachfreunde Reichenstein, mit denen er 2006 die Schweizer Mannschaftsmeisterschaft gewann und im selben Jahr am European Club Cup teilnahm; seit der Saison 2014 spielt er beim Club d’Echecs de Genève, mit dem er 2015 Mannschaftsmeister wurde.
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